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OLYMPIA - 1863 - Édouard MANET

 

Die Olympia von Manet

Die Olympia von Manet
Warum hat die in-1863-gemalte und nur zum ersten Mal in-1865-ausgestellte Olympia von Manet solch einen unvergleichlichen Skandal verursacht?
Warum diese Malerei, fast 150 Jahre später, uns weiterhin stört und lang stören wird?

Das ist sicherlich nicht die Darstellung der Nacktheit: die Wände des offiziellen Salons waren mit diesen bedeckt. Es stimmt allerdings, dass für die Wahrung der gefälschten Prüderie jener Zeit, alle unerwünschten Haare vorsichtig entfernt wurden, und historische, mythologische, exotische oder christliche Ausreden vorgelegt, um diese Nacktheiten zu rechtfertigen. Wie viele junge nackte Heiligen als Nahrung zu wilden Tieren im Amphitheater geworfen? Wie viele schöne nackte Mädchen aus der Gefangenschaft von tapferen Drachen-kämpfenden Rittern befreit? Wie viele im Harem kümmernden Odalisken? Manets abgebildete Frau erfüllt diese Kriterien nicht. Sie ist natürlich eine Prostituierte, die an einen ihrer Kunden wartet... Der Zuschauer? Auch wurde in den 1860er Jahren das Wort Olympia häufig verwendet, um Luxus Huren zu nennen. Cézanne, in seinen beiden Versionen von Une moderne Olympia [Eine moderne Olympia], betont dies durch die Darstellung von einem Kunde, fast an die Zuschauer Platz. Der gelbe Schal, auf der das Modell liegt, war auch eines der Attribute der Prostituierten(1).

Das ist auch nicht die Pose. Sie ist weniger lasziv als die von der Manet berühmte Vorgänger entlehnte Modelle: die Dresden Venus von Giorgione, die Urbino Venus von Tizian, die Odalisque mit Sklave von Ingres, die Maja Desnuda von Goya. Die letztere ist viel provokativer: keine Hand um das Schambein, wo den Schatten der Haare sichtbar ist, zu verbergen... Mit Manet auch, die schwarze Katze (Heimtücke und Weiblichkeit) mit ihrem erhobenen Schwanz, ersetzt den schlafenden Hund (Treue) in Titians Werk, eine kristallklare Metapher für die von der Hand versteckte Mieze. Die schwarze Dienerin ist nicht fremder als die Laute-spielende Sklavin und der schwarzen Eunuch in Ingres Malerei. Beachten Sie auch, dass, in diesem Werk, die blaue Decke auf der die Odaliske liegt, eine Ecke von seiner Steppfutter enthüllt... Gelb... Eine Belastung von Bedeutungen: unter dem Deckmantel der Reinheit (blau) liegt die Hure (gelb). Eine extrem männlich-chauvinistische und 19.-Jahrhundert Ansicht der Weiblichkeit...

Soll man nicht hier die beunruhigende und störende Macht dieses Bild suchen? Mit allen Vorläufern unserer Olympia, war das Modell passiv – mit Giorgione hat sie sogar ihre Augen geschlossen –, um die Lust des männlichen Beobachters aufzuregen. Mit Manet starrt das deutlich individualisierte Modell, in einem groben Licht, auf den Zuschauer. Die Abwesenheit von Ausdruckskraft und Sinnlichkeit in der Darstellung des Fleisches(2) deutlich zeigt, dass der Zweck des Künstlers kein sexuell erregend Werk, sondern etwas anderes zu produzieren, war. Manet zeigt eine Konfrontation, eine widersprüchliche Situation, in der die Frau am Rande die Oberhand zu gewinnen, die Initiative zu ergreifen ist. Sie ist kein neutral und passiv Objekt von Lust und Gier mehr, sondern ein unabhängiges Wesen mit einer aktiven Persönlichkeit, die ihr Recht für Vergnügen und ihre sexuelle Herrschaft auf den Mann, der ihr Spielzeug wird, behauptet.

Unzulässig in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts... Aber gibt es heute mehr Akzeptanz bei vielen unserer Zeitgenossen? Es ist in dieser frühen feministischen Behauptung, dass Manets Olympia uns so stört, und noch für eine lange Zeit stören wird. Wie ein Echo wiederholt diese Malerei die Devise, den Manet selbst geprägt: manet et manebit(3).

Louis Doucet, dezembre 2012

 

(1)Véronique Bui, Le châle jaune des prostituées au XIXe siècle : signe d’appartenance ou signe de reconnaissance ? [Die Prostituierten gelben Schal im 19. Jahrhundert: ein Zeichen der Mitgliedschaft oder der Anerkennung?], association Fabula, février 2008.
(2) Paul de Saint-Victor : “Die Menge eilt, als ob in einer Leichenhalle, vor Herrn Manets korrupte Olympia. Kunst, die so tief gegangen ist, verdient kein mehr Schuld.”, in Le salon de 1865, La Presse, May 28th 1865.
(3) Er oder sie bleibt und bleiben wird.

 

 
Ingres   Goya
 
Titien   Giorgione
 
Cezanne   Cezanne


 

 

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AUTEUR

> Louis DOUCET